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Cadel Evans Zeit im Gelben Trikot sollte nur kurz andauern. Er trug es einen Tag lang (Foto: Tim de Waele).
Cadel Evans Zeit im Gelben Trikot sollte nur kurz andauern. Er trug es einen Tag lang (Foto: Tim de Waele).

Die schönsten Augenblicke des BMC Racing Teams: Das Gelbe Trikot

15. Januar 2011

Denia, Spain

Bei der ersten Tour de France Teilnahme des BMC Racing Teams im Jahr 2010 trug Cadel Evans das Gelbe Trikot. Dabei gab es dramatische Momente mit einer Verletzung, einen grossen Kraftakt und ein Geheimnis. Ein Rückblick anlässlich des zweiwöchigen Trainingscamps im spanischen Denia.

Bei Sturz verletzt
An jenem historischen Tag, an dem das BMC Racing Team das begehrteste Jersey in der Radszene holte, stürzte Cadel Evans nach acht von insgesamt 189 zu fahrenden Kilometern. Es war die achte Etappe von Station des Rousses nach Morzine-Avoria. Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, dass sich der Australier einen Knochen im linken Ellbogen gebrochen hatte. Aber der Weltmeister kämpfte weiter, beendete die Etappe und wurde mit dem Gelben Trikot belohnt. Im weiteren Text folgen nie zuvor veröffentlichte Details von BMC Racing Team Präsident Jim Ochowicz, dem Sportlichen Leiter John Lelangue, dem Teamarzt Dr. Max Testa und Cadel Evans selbst.

Ochowicz: Musste Entscheidung treffen
"Cadel wusste, dass es ein Problem gab, aber es war keines, das ihn an diesem Tag sehr belastete. Er konnte die Etappe zu Ende fahren. Wir dachten, dass alles passte. Die Dinge haben sich über Nacht geändert. Am nächsten Morgen fühlte er erst das volle Ausmass seiner Verletzung. Er konnte seinen Ellbogen gar nicht mehr bewegen. Ich bin mit ihm eine Trainingsrunde gefahren und er drehte sehr bald wieder um und fuhr zurück ins Hotel. Wir haben nicht viele Leute mit in die Klinik genommen, in der er untersucht wurde. Nur John Lelangue und Dr. Max Testa begleiteten ihn. Es war also so schlimm, dass wir ins Krankenhaus mussten und das sagte schon einiges aus. Wenn es um den Führenden der Tour de France geht, ist das eine grosse Sache. Viele Medienleute und Zuschauer warteten den ganzen Tag vor dem Hotel. Wir haben versucht, keine negative Meldung rauszulassen oder die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Wir mussten eine Entscheidung treffen. Wir konnten am Morgen allen sagen, dass er einen gebrochenen Ellbogen hat oder wir konnten an den Start gehen und niemandem etwas sagen - nicht einmal dem Team - und jeder würde ein ganz normales Rennen fahren. Wir entschieden uns für Variante Nummer zwei. Wir hatten das Gelbe Trikot in unseren Reihen und es war unsere Aufgabe, an diesem Tag das Rennen zu kontrollieren. Wenn wir Cadels Verletzung bekannt gegeben hätten, wäre das möglicherweise ein Nachteil für uns gewesen und deshalb haben wir geschwiegen."

Lelangue: Ein anderer hätte aufgegeben
"Wir wussten nicht, ob Cadel die Etappe beenden konnte. Wir dachten, dass es auf dem letzten Anstieg nach Morzine-Avoriaz Angriffe geben würde, aber zum Glück war das nicht so. Am nächsten Tag war ein Ruhetag und Cadel kam von der Trainingsausfahrt sehr bald zurück. Er musste die Einheit auf dem Elite Trainer in seinem Zimmer beenden. Dann ging er in das einzige Krankenhaus in Avoriaz, das sofort eine Ultraschall-Untersuchung machen konnte. Man konnte sehen, dass sein Ellbogen gebrochen war. Aber er trug Gelb. Es gab keine Möglichkeit, die Tour so (Aufgabe wegen einer Verletzung) zu verlassen. Wir wollten nicht, dass jemand von seinen Problemen wusste, sonst hätte es zahlreiche Attacken gegeben. Es war eine mutige Aktion vom Träger des Regenbogentrikots. Viele Fahrer in seiner Situation hätten wohl aufgegeben."

Dr. Testa: Dachte, es ist vorbei
"In den Minuten nach dem Sturz beschwerte sich Cadel nicht über seinen Ellbogen. Wir gaben ihm Schmerzmittel und dachten an nichts Schlimmes. Aber im Ziel schmerzte sein Ellbogen sehr. Ich sagte ihm, dass wir eine Ultraschall-Untersuchung machen müssen, aber er wollte das an diesem Abend nicht. Wir gingen zurück ins Hotel und kühlten die Stelle mit Eis. Am nächsten Tag suchten wir einen Arzt auf und sahen, dass der Ellbogen gebrochen war. Ich dachte, die Tour sei vorbei. Ich sagte ihm, dass er nun das Trikot habe, aber dass der Radsport manchmal eben auch unbarmherzig sein kann. Er meinte, er wolle es trotzdem versuchen. Wir sprachen über die verschiedenen Arten von Verbänden für die Nacht und gaben ihm am Morgen Schmerzmittel. Durch den Bruch gab es keine Verschiebung der Knochen, was gut war. Wir entschieden von Tag zu Tag."

Cadel Evans: Ich musste weiterfahren
Nach dem Sturz: "Ich stieg wieder auf meine BMC Rennmaschine, das Feld war ziemlich auseinandergefallen. Als Erstes wollte ich zurück ins Peloton und das Rennen normal weiterfahren. Danach ging ich zum Arzt um nachsehen zu lassen, warum mein Arm so weh tat. Zuerst meinte er, dass alles ok wäre. Und John (Lelangue) fragte mich, was ich tun wollte. Ich wollte die Tour fortsetzen und ich wollte das Gelbe Trikot. Als am nächsten Tag ein Bruch des Ellbogens diagnostiziert wurde, wusste ich, woher die Schmerzen kamen. Ich übernahm das Gelbe Trikot mit einem gebrochenen Arm. Es kam für mich nicht in Frage, die Tour de France als Führender zu verlassen. Ich musste weiterfahren und weiterkämpfen."