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Deutschland, Deutsch

L’Enfer du Sud

25. Februar 2011

Hallo, hier ist die Hölle des Südens!
Ich kannte die Hölle des Nordens, aber jetzt kenne ich auch die extreme Hölle des Großen Südens.
Angesichts meines fortgeschrittenen Alters für einen Radtourer und der bei meinen vorangehenden Abenteuern aufgetretenen Schwierigkeiten dachte ich, ich würde in der Praxis des Radfahrens alles kennen, aber jetzt weiß ich, dass ich nicht alles wusste. Ich lerne immer noch jeden Tag dazu. Hier habe ich jemanden angetroffen, der mir das Radfahren beinahe verleidet hätte ... EOLE – den Wind.

Patagonien, eine Region im Süden Argentiniens, ist eine riesige, leicht hügelige Steppe, bedeckt mit einer mageren gelblichen Vegetation, wo hier und da Schafe oder Guanakos zu sehen sind. Tagelang der gleiche Horizont, endlose gerade Strecken, Straßenabschnitte aus gestampfter Erde voller Schlaglöcher und im Baustellenzustand über Dutzende von Kilometern. Bei den böigen Seitenwinden von 80 bis 100 km/h ist es, wenn man dort fährt, ein wahres Wunder, wenn man sich auf seinem Fahrrad halten kann. Ich bin mehrmals am Tag gestürzt. Sogar Autos, Kleinbusse und Motorräder sind im Straßengraben gelandet. Zudem droht hier Gefahr von großen Lastwagen, die einen von der Straße abdrängen und beinahe streifen, und Dutzenden von Fangios, die überhaupt nicht auf die Radfahrer achten. Jetzt verstehe ich, warum die Argentinier lieber Fußball spielen als Fahrrad fahren ... kein Wind in den Stadien und dann noch unter dem Schutz von S. Blatter. Ein bisschen verrückt! "loco" auf Spanisch, ich lerne jeden Tag ein Wort. Trotz allem bleibt noch ein bisschen Vernunft in meinem Kopf, damit ich meine Grenzen nicht überschreite. Und wie bei den großen Touren habe ich einige Überführungen gemacht.

In diesen dünn besiedelten Wüstenregionen konnte ich außergewöhnliche Menschen kennenlernen. Darunter der Wirt Oswaldo (wie Moser) und seine Familie, die mich aufgenommen haben wie einen Angehörigen und mit denen ich ein unvergessliches Wochenende verbracht habe; für ihn bin ich zu seinem ... CHE geworden. Der aus Italien stammende Luigi, ein Schweißer, der mich halb tot am Straßenrand aufgelesen und mich bis zu seinem Büro gefahren hat. In dieser kurzen Zeit haben wir über den Radsport gesprochen, von dem er ein Anhänger ist, aber dazu hier keine weiteren Informationen. Er hat von seinem Vater gesprochen, der in Äthiopien für den Duce gekämpft hat und den sein Land dann fallen gelassen hat. Ich habe ihn mit Tränen in den Augen verlassen. Gabriel, der mich in seinem Kleinbus mitgenommen und mir erklärt hat, dass fast alle Fahrräder die Carretera Austral in Chile nehmen (großartige Landschaften und schönere Strecke, nicht so schwierig und vor allem ohne Wind), und ich sagte mir, dass ich wie üblich nicht den einfachen Weg gewählt habe. Marcelo, Tierarzt in Buenos Aires, und seine Frau, die mich mehrere Tage lang immer wieder mit ihrem Auto überholt haben. Sie hielten jedes Mal an um mir Mut zu machen und waren besorgt um mich. Und viele andere ermutigten mich mit einer einfachen Geste, einem erhobenen Daumen. Für mich sind alle diese Begegnungen große Momente der Gemeinsamkeit und beweisen mir, dass der Mensch trotz unterschiedlicher Sprache, Herkunft und Religion gut und hilfsbereit ist, vor allem dort, wo die Natur die Vorherrschaft hat.

Aber dank meines Kopfs, meiner Partner und all der Nachrichten, die ich von euch, meinen Freunden, erhalten habe, bin ich dennoch in Bariloche, bei Kilometer 2430 meines Abenteuers angekommen. Die Etappe, die mich hierher geführt hat, war die schönste seit langem, trotz des Schwierigkeitsgrads der bergigen Strecke; vor allem kein Wind und dann eine herrliche Kulisse. Seen umgeben von schneebedeckten Bergen haben mir wirklich den Eindruck vermittelt zuhause in der Schweiz zu sein.

Ab Tecka hat sich die Topographie allmählich verändert. Immer höhere Hügel und am Horizont die Kordillere der Anden mit ihren schneebedeckten Gipfeln waren ein herrlicher Hintergrund für mich. Auch die Farben veränderten sich und das Grün gewann die Oberhand. Bäume säumten die Straße, die sich durch kleine Täler schlängelte, und schützten mich ein wenig vor dem Wind. Schluss mit den endlos langen geraden Strecken. Esquel war die erste Ortschaft, die diesen Namen verdiente, nach mehr als 1200 km. Eine kleine Stadt hinten in einem Tal, umgeben von Bergen, dem Schweizer Ski-Team wohlbekannt durch seine Trainingslager im Sommer. Ich hatte Glück ein Ticket für die berühmte Dampfeisenbahn (La Trochita) zu bekommen, die auf einer verkürzten Strecke von 20 km mit derselben Ausrüstung fährt wie um 1900. Zu jener Zeit fuhr sie eine Strecke von über 400 km. Fans aus der ganzen Welt kommen hierher um diese Fahrt zu machen. Deshalb sagte ich, dass ich Glück hatte ein Ticket zu bekommen.

Mit meiner Ausrüstung bin ich voll und ganz zufrieden, ich habe Glück, dass ich auf meine Partner zählen kann. Ein großes Dankeschön an alle drei.
Wer mich kennt, weiß, dass ich mich um meine Ausrüstung besser kümmere als um mich selbst.
Trotz der Wagnisse meines Abenteuers macht es mir, wie an jedem Tag des Lebens, enorme Freude, dass ich große Momente erleben darf, wo ich viele Dinge lerne und zum Kern der Sache vordringe. Die Einsamkeit und die Anstrengung machen das möglich. Man kann sagen, dass das eine echte Droge ist, im positiven Sinne des Wortes.

Meine nächsten Nachrichten kommen sicherlich nicht vor Mendoza, weil ich wieder eine dünn besiedelte Wüstenregion durchqueren werde, wo der Wind wieder mit von der Partie sein wird.

Bis dann

Euer Freund Georges