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Georges am berühmten Salzsee Salar d’Uyuni
Georges am berühmten Salzsee Salar d’Uyuni

Hallo Bolivien!

12. mei 2011

Auf dem Weg nach Santa Cruz, der ersten grossen Etappe von Bolivien, ändert sich die Strecke kaum. Wie in den letzten Tagen in Argentinien ist alles eben, mit langen geraden Strecken, und ich habe die Mücken und die Hitze als Begleiter. Santa Cruz, eine grosse Universitätsstadt, liegt in 200 m Höhe und hat ein feuchtheisses Klima. Es gibt fast keine alten Viertel mehr im spanischen Stil.

Sobald ich diese Stadt verlasse, ändert sich die Topographie schnell. Die Strasse windet sich durch eine Schlucht inmitten eines tropischen Waldes. Obwohl es eine Nationalstrasse ist, befindet sie sich in keinem besonders guten Zustand. Auf einigen Abschnitten, richtigen Schlammlöchern, haben die jüngsten sintflutartigen Regenfälle, die ganz Bolivien im Februar heimgesucht haben, ihre Spuren hinterlassen.

Nach und nach gewinne ich an Höhe. Ich komme in Samaipata in über 1600 m Höhe an und werde wie ein alter Freund von Anne Catherine empfangen, mit der ich ein paar Tage zur Erholung verbringe. Obwohl wir aus derselben Region stammen (Cornaux, St. Blaise), kannten wir uns nicht. Aber nach kurzer Zeit mit gemeinsamen Erinnerungen und Freunden verlasse ich sie mit dem Gefühl, sie schon immer gekannt zu haben. Einen unendlichen Dank für ihren Empfang und ihre Freundlichkeit, die es mir ermöglicht haben, wieder zu Kräften zu kommen.

Von Samaipata aus wird das Abenteuer fast zu einer Pilgerreise auf dem Weg über Vallegrande und vor allem auf dem „camino del Che". Eine schreckliche Strasse mit unglaublichen Steigungen und Strecken voller Schlaglöcher, die bei Regen kaum passierbar wären. Nach jeder Haarnadelkurve glaubte ich am Ziel zu sein und jedes Mal hatte ich einen weiteren noch steileren oder noch schadhafteren Abschnitt vor mir. Endlich komme ich in La Higueras an. Einige Häuser, in denen heute etwa zwanzig Familien leben.

Zwei Monumente zu Ehren des Guerilleros, der hier am 9. Oktober 67 in der kleinen Schule getötet worden war, die heute ein Museum ist. Eine nahezu irreale Szenerie inmitten dieser riesigen schroffen Region mit tiefen Schluchten, mit Vegetation bedeckten Bergen, einem richtigen Labyrinth, in dem man sich leicht verlieren kann. Nachdem ich einige Fotos gemacht, das Museum besucht, meinen „Stein" aufgesammelt habe, trinke ich einen Kaffee bei einer Dame, die 1967 vor Ort war und gesehen hat, wie Che noch lebend in der Schule war und wie seine sterblichen Überreste dann im Helikopter nach Vallegrande gebracht wurden.

Nach diesem grossen Moment, einem der wichtigen Punkte meines Abenteuers, entdecke ich Sucre, die Hauptstadt des Landes. Eine in mehr als 2600 m Höhe gelegene grossartige Stadt mit herrlichen Gebäuden im spanischen Stil, schattigen Plätzen und einer erholsamen Atmosphäre. Von dort aus mache ich einen Sprung zum traditionellen Markt von Tarabucco.

Dann führt mich eine fürchterliche Etappe von 160 km nach Potosi. Ein beeindruckender Pass liess mich über 1400 m Höhe in 12 km zurücklegen, um bei einer Geschwindigkeit von 5,4 km/h auf 22/34 auf 4000 m Höhe zu kommen, mit Stopps alle paar Kilometer, um wieder zu Atem zu kommen.

Potosi ist eine Stadt, die auf der ganzen Welt wegen ihrer Silberminen bekannt ist, die im 17. Jahrhundert unter dem Cerro Rico entdeckt wurden. Ich habe mich in einen Minenarbeiter verwandelt, um sie zu besichtigen und zu sehen, unter welchen Bedingungen 70 % der (gewerkschaftlich organisierten) Minenarbeiter arbeiten. Ohne festen Lohn, ohne Versicherungen, alle Arbeiten mit Muskelkraft, die reinsten Sklaven mit einer Lebenserwartung von 45 Jahren. Wie es die Tradition will, habe ich ihnen Coca-Blätter, Dynamit und auch bolivianischen Whisky (95 % Alkohol) geschenkt.

Ein grosser Moment, den ich mit diesen Männern geteilt habe, die wie Ratten im Bauch des Berges leben und arbeiten. Ein weiterer lehrreicher Besuch war das Museum von La Moneda. Nach dieser interessanten Etappe geht das Abenteuer weiter in Richtung Uyuni auf einer teilweise geteerten Strasse, die durch eine bergige Landschaft verläuft, mal durch enge Schluchten, mal durch weite Ebenen, in denen Lamas grasen. In drei aussergewöhnlichen Tagen konnte ich im Geländewagen den berühmten Salzsee Salar d'Uyuni entdecken, der wegen der starken Regenfälle im Februar leider voller Wasser war.

Dann Richtung Altiplano mit aussergewöhnlichen Landschaften in fast 5000 m Höhe. Ein Wunder an Farben und Bildern, die einem in jedem Sinne des Wortes den Atem rauben. Mir fehlen die Worte, um diese unvergesslichen Momente in dieser wilden und noch bewahrten Natur zu beschreiben.

Nach Verlassen von Uyuni gibt es drei sehr schwierige Etappen auf diesem letzten von Schlaglöchern übersäten Streckenabschnitt (ripio), die mein BMC einer harten Prüfung unterzogen haben. 200 km, auf denen ich mit zahlreichen Fallen konfrontiert war, sandige Abschnitte, die meine Schenkel anschwellen liessen, andere mit Schotter bedeckt, und das auf einer sehr zerklüfteten Strecke mit sehr steilen Anstiegen und schwindelerregenden Downhills. Ich musste sogar eine Eisenbahnbrücke benutzen, um einen Fluss zu überqueren. Nach diesem höllischen Abschnitt hat nur mein Zähler das Ganze nicht überstanden.

Ich freue mich, wieder auf Teer zu kommen, um nach Oruro zu gelangen, der Hauptstadt des Karnevals in Bolivien. Ich komme mitten in eine Demonstration, die Strasse von Barrikaden versperrt, brennende Reifen, Glasbausteine und auf der Strasse sitzende Demonstranten. Aber keine Sorge um mich, ich bin Schweizer, und sie liessen mich mit einem Lächeln passieren.

Von Oruro aus fahre ich mit dem Bus nach Cochabamba, um meinen Freund François zu besuchen, der seit einem Jahr bei uns alles aufgegeben hat. Er ist hierher gekommen und hat sich ehrenamtlich zur Verfügung gestellt, um Kindern ohne Familie zu helfen. Hut ab vor seinem Engagement!

Nach diesem Besuch, bei dem mich die Passion von François beeindruckt hat, fahre ich weiter Richtung La Paz. Diese 1548 gegründete Stadt hat über eine Million Einwohner und liegt zwischen 3200 m und 4000 m Höhe mit dem Berg Illimani (6402 m) im Hintergrund und befindet sich bei Kilometer 8000 meiner Expedition.

Ich verbringe einige Tage in dieser Stadt, dem Sitz der bolivianischen Regierung, um meine weitere Reise durch Peru vorzubereiten. Ein wenig Ruhe, Besuche und Wartung meiner Ausrüstung, mit der ich voll und ganz zufrieden bin. Mein BMC hat seinen Zuverlässigkeitstest wirklich mit Auszeichnung bestanden. Und dank der Bekleidung von Mavic konnte ich allen Witterungsbedingungen, Regen, Hitze etc. ... trotzen. Und die Lebensmittel von Go2 haben mir in schwierigen Momenten wieder Energie gegeben. Merci an alle, die es mir ermöglichen, meinen Traum zu verwirklichen.

Ich melde mich dann mit meinen nächsten „Noticias" aus Peru.


Bis dann
Georges